Der lange Weg der Frauen in die Lühnder Wehr

Revolutionen brauchen manchmal etwas länger. Frauen in der Wehr – das ist für viele Männer im blauen Rock lange undenkbar.  Daran ändert auch das neue Brandschutzgesetz nichts. Am 1. April 1978 macht es den Weg frei für Frauen im aktiven Dienst. Die Lühnder Jugendfeuerwehr ist begeistert und verkündet schon kurz darauf – ohne Absprache – mit einem Aushang im Dorf die Aufnahme von Mädchen in die Wehr. Das Kommando ist verärgert. Dazu müsste erst die Satzung geändert werden. Ein  entsprechender Antrag wird der Generalversammlung gar nicht erst vorgelegt.

Bei mehr als 60 Aktiven sei die Wehr auf Frauen nicht angewiesen, heißt es. Zwei Jahre später verzeichnet das Protokoll erstmals eine Frau unter den Zuhörern der Generalversammlung. Mitte 1991 beschließt der Feuewehrverband eine namentliche Gleichberechtigung: Aus der Feuerwehrassistentin von 1978 wird die Feuerwehrkameradin. Die Lühnder Wehr bleibt ein Männerverein – bis zum 95-jährigen Jubiläum.

Am 3. Mai 1997 wird der Ortsbrandmeister Ekkehard Lütke um 22.30 Uhr während des Festballs zu Gabi Weidehaus und Magdalena Maaß auf die Tanzfläche gerufen. Sie drücken dem völlig ahnungslosen Chef der Lühnder Wehr 13 fertig ausgefüllte Aufnahmeanträge von Frauen in die Hand, darunter den seiner Ehefrau. Vier Tage später beantragt eine 14. Frau die Aufnahme in die aktive Wehr. Dort brodelt es. Austrittsdrohungen machen die Runde. Doch die Zeit ist reif. Am 28. Mai stimmt das Kommando über die Anträge der Frauen ab: „Einstimmig dafür!”‘, heißt es im Protokoll. Und niemand verlässt deswegen die Wehr.

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